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Tipps für Eltern
Fitte Eltern ergibt gleich Fitte Kinder



Tipps & Tricks für Eltern,

wie man kindliche Gemüsemuffel, Couch-Kartoffeln und Fettfetischisten zu gesunder Ernährung und mehr Bewegung bringen kann
Wenn Erwachsene übergewichtig sind, so tragen sie allein die Verantwortung dafür. Ausgenommen davon sind nur jene, bei denen das Übergewicht krankheitsbedingt ist (= nur knapp 2 % der Dicken). Wenn aber ansonsten gesunde Kinder Übergewicht mit sich herumschleppen, sind dafür ausschließlich die Eltern verantwortlich, die ihr/e Kind/er falsch ernähren bzw. ihnen alle Esssünden durchgehen lassen.

Fakt ist: übergewichtige Kinder haben immer auch mindestens ein übergewichtiges Elternteil. (Krankheitsbedingtes Übergewicht ist natürlich auch hier ausgenommen.)

Seit etlichen Jahren schon beklagen die Schulen, dass Kinder in zunehmender Zahl nicht nur überwichtig sondern auch unsportlich sind, was in der Regel Hand in Hand geht. Wer zu viele Kilos mit sich herumschleppt, für den ist jede körperliche Bewegung eine ungeheure Anstrengung, manchmal sogar regelrechte Qual, weshalb man sie gleich ganz bleiben lässt. Verständlich, aber grundverkehrt! Das zu ändern – Übergewicht und Bewegungsmangel – ist und bleibt in erster Linie Aufgabe der Eltern.

Doch manche von ihnen begehen diesbezüglich an ihren Kindern „Fehler“, die man beinahe schon als Körperverletzung bezeichnen kann. Natürlich finden die kleinen und größeren Leckermäulchen Schokolade, Kuchen, Chips, Pommes Frites, Pizza, Cola, Hamburger & Co. meistens viel schmackhafter als gesundes Obst und Gemüsegerichte. Das ist natürlich, denn Süßes bekommen wir buchstäblich schon mit der Muttermilch eingesogen (die süß schmeckt), und Fett ist ein guter Geschmacksträger, weshalb wir entsprechende Speisen bevorzugen. Und wie eingangs schon gesagt, sind Erwachsene für ihre (Fehl-)Ernährung vollkommen selbst verantwortlich. Kinder dagegen nicht, und es ist Aufgabe der Eltern für gesunde Ernährung zu sorgen.

Das heißt natürlich nicht, dass Kinder die genannten ungesunden Lebensmittel niemals (mehr) essen dürfen, obwohl das – rein nüchtern betrachtet – optimal wäre. Daher wäre es das Beste, Kinder von Anfang an gesund zu ernähren und „Sünden“ wie Pommes Frites, Chips & Co gar nicht erst anzubieten = gar nicht erst einzukaufen. Hier kommt den Eltern die wichtigste Rolle in der Erziehung zu: die des Vorbilds, die nicht zu unterschätzen ist. Kinder lernen am besten, indem man ihnen erwünschtes Verhalten vorlebt. Das ist manchmal recht anstrengend, gehört aber zur „Jobbeschreibung Eltern“ untrennbar dazu. Wenn Kinder von klein auf lernen, hauptsächlich Gemüse, Obst und Vollkornprodukte zu essen, vermissen sie auch nicht die ungesunden Snacks, die nicht nur ihre Figur ruinieren, sondern ihre Gesundheit gleich dazu.

Schwieriger ist es da bei Kindern, die bereits übergewichtige Chips- und Pommesliebhaber sind. Ihnen die ungesunde Ernährung abzugewöhnen, kostet Zeit und vor allem die Nerven der Eltern. So neulich auch bei einer Bekannten, die endlich vernünftig geworden war, nachdem der Kinderarzt gedroht hatte, ihr Kind in eine Klinik einzuweisen, wenn die Mutter es nicht endlich fertig brächte, das extreme Übergewicht des Kindes zu reduzieren. Genervtes „Argument“ der Mutter: „Wenn ich dem Kind nicht seine Pommes und Schokolade gebe, brüllt es so lange herum, bis ich nachgebe.“ Eindeutig läuft in dieser Familie etwas sehr schief!!! Auf meine Anmerkung, dass die Mutter schließlich die Erwachsene ist und demnach auch bestimmt, wo es (nicht nur) ernährungsmäßig langgeht, machte sie ein Gesicht, als hätte sie davon noch nie etwas gehört.

Falls es Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, mit Ihren Kindern ähnlich geht, hier ein kleiner, aber wirksamer Tipp: lassen Sie den Sprössling schreien, denn Kinder hören automatisch auf damit, wenn sie sehen, dass sich die Eltern davon nicht einschüchtern lassen. Ein wichtiges Erziehungsmittel lautet: „Unerwünschtes Verhalten wird konsequent ignoriert, soweit das möglich ist und ansonsten konsequent korrigiert.“ Handeln Sie danach!

Auch wenn ein Kind das ungeliebte Essen verweigert, ist das noch kein Grund zur Panik. Es gibt ein Sprichwort, das lautet: „Der Hunger treibt es rein!“ Geben Sie Ihrem Kind an dem Tag bis zur nächsten regulären Mahlzeit nichts anderes zu essen als das, was es ablehnt. Sobald der Hunger groß genug ist, wird es das Gemüse oder worum auch immer es sich handelt schon essen. Natürlich versucht es vorher alle Listen und Tücken, Sie zum Nachgeben zu zwingen: Schreien, Weinen, Toben, Schmollen, „Du bist gemein!“-Beschuldigungen und was den lieben Kleinen sonst noch einfällt. Bleiben Sie ruhig, aber standhaft und sitzen Sie es aus! Sie haben das Sagen, nicht Ihr Kind! Die einzige Alternative, die Sie zum z. B. abgelehnten Mittagessen anbieten dürfen, ist frisches Obst. Es schadet einem Kind gar nicht (und auch keinem Erwachsenen), wenn es statt Kartoffeln mit Gemüse zum Mittag zwei, drei Äpfel oder Bananen isst. Im Gegenteil! Wichtig ist natürlich, dass Sie keine ungesunden Lebensmittel im Haus haben, auf die das Kind dann (heimlich) zu(rück)greifen kann.

Und hier ist auch ein Argument, mit dem Sie der Anschuldigung den Wind aus den Segeln nehmen: „Bisher durfte ich doch immer!“ Ihre souveräne Antwort: „Stimmt, aber bisher wusste ich noch nicht, wie krank das ungesunde Essen dich/uns macht. Jetzt weiß ich es und muss dafür sorgen, dass du/wir künftig gesund werden/bleiben. Und darum gibt es in einem halben Jahr kein ungesundes Essen mehr bei uns.“

DIES IST DER WICHTIGSTE TIPP,
wie Sie die Umstellung auf gesunde Ernährung schaffen: auf keinen Fall radikal von heute auf morgen, sondern langsam und schonend. Ich mache mich immer unbeliebt, wenn ich sage, dass unsere Fixierung auf ungesunde Nahrungsmittel ähnlich funktioniert wie eine Sucht. Nichtsdestotrotz ist das eine Tatsache. Wir sind die „schlechte“ Ernährung derart gewöhnt, dass die meisten von uns regelrechte Entzugserscheinungen haben, wenn uns diese Dinge verweigert werden. Wer es nicht glaubt, mache einmal folgendes Experiment. Nehmen Sie Ihren Liebling unter den ungesunden Nahrungsmitteln, egal ob Schokolade, Kuchen, Chips oder was auch immer und versuchen Sie mal, eine einzige Woche lang kein einziges Stück davon zu essen. Und dann beobachten Sie mal, was mit Ihnen dabei passiert.

TIPP 2:
Beginnen Sie mit der Nahrungsumstellung, indem Sie einen Monat lang jede Woche einen „Gesundtag“ einlegen, an dem Sie ausschließlich Obst, Gemüse, mageres Fleisch, fettreduzierte Kost etc. anbieten. An solchen Tagen müssen Sie allerdings die ungesunde Nahrung regelrecht WEGSCHLIESSEN, damit die lieben Kleinen nicht heimlich davon naschen können. Quengeleien schmettern Sie ab mit dem Versprechen: „Morgen gibt es wieder Schokolade (etc.), heute nicht.“ Und halten Sie das darauf folgende Geschrei, Jammern und Betteln souverän aus, OHNE nachzugeben. Im zweiten Monat legen Sie in jeder Woche 2 „Gesundtage“ ein, die aber nicht auf einander folgen dürfen, sonst ist die „Entwöhnung“ (die Entzugserscheinungen) zu heftig. Im dritten Monat sind es jede Woche 3 Gesundtage, im vierten Monat 4 Tage und so weiter, bis Sie nach ca. 7 Monaten die Umstellung abgeschlossen haben und an 7 Tagen in der Woche nur noch gesunde Nahrung auf den Tisch kommt. Natürlich sollen Sie AB UND ZU (!) auch weiterhin Schokolade, Kuchen etc. naschen und Fettreiches essen, aber nach dem 7. Monat eben nur noch als Ausnahme und nicht mehr als die Regel. Essen und auch der Geschmack sind nämlich reine Gewohnheitssache. Deshalb ist es eine Frage des „Trainings“, uns und den Kindern gesunde Ernährung anzugewöhnen.

TIPP 3:
Kaufen Sie im ersten Monat der Umstellung nur noch die Hälfte der ungesunden Snacks und kaufen Sie KEINE WEITEREN vor Ablauf der Woche nach, falls die reduzierten Vorräte schon nach zwei Tagen leergefuttert sind. Reduzieren Sie die Snacks im 2., 3. und den folgenden Monaten immer weiter, bis nur noch eine kleine Ration übrig bleibt, die als „Sünde“ nicht mehr ins Gewicht fällt.

TIPP 4:
Rationieren Sie die Leckereien für Ihre Kinder. Führen Sie ebenfalls schrittweise eine Reduktion der ungesunden Snacks ein, bis nur noch 1 Tafel Schokolade, 1 Tüte Chips etc. PRO WOCHE übrig bleibt. Sollte Ihr Kind die Leckereien schon am ersten Tag aufgefuttert haben, müssen Sie standhaft bleiben und ihm vor Ablauf der Woche KEINEN Nachschub gewähren. Nur auf diese Weise lernen die Kinder, sich die Leckereien einzuteilen. Pommes Frites, Currywurst, Pizza, Hamburger etc. sollte es wenn überhaupt nur noch an einem einzigen Tag in der Woche geben, keinesfalls öfter!

TIPP 5:
Viele Menschen – nicht nur Eltern – betrachten Obst nicht als vollwertige Mahlzeit, obwohl es das de facto ist. Da es süß schmeckt, können Sie Kinder in der Regel nach einer gewissen Zeit der Gewöhnung dazu bringen, zu einer Mahlzeit am Tag (Frühstück ist sehr zu empfehlen oder Abendessen) ausschließlich frisches (!) Obst zu essen. Ein leckerer Obststeller bestehend aus 1 Banane, 1 Apfel, 1 Apfelsine und ein paar Weintrauben macht satt, schmeckt lecker und ist supergesund!

TIPP 6:
Machen Sie das anfangs ungeliebte gesunde Essen „interessant“. Zum Beispiel indem Sie es so auf dem Teller drapieren und garnieren, dass lustige Gesichter oder Figuren entstehen. Oder geben Sie den Gerichten spannende Namen. Ein Müsli schmeckt gleich dreimal besser, wenn Sie es „Spiderman’s Kraftfutter“ nennen (oder wie der angesagte Held Ihrer Kinder gerade heißt) oder eine Banane zum „gelben Powerriegel“ befördern und so weiter. Interessante diesbezügliche Ideen finden Sie auch in dem Buch „Witzige Garniervorschläge“, Untertitel: „Coole Brote für Kids &Co.“ (Weltbild-Verlag, 6,95 €). Oder kaufen Sie „Native Food – Die Küche der Indianer Nordamerikas“, in dem es von gesunden Rezepten nur so wimmelt. Denn eine „Indianersuppe“ schmeckt zehnmal besser als wenn dieselbe Suppe einfach nur „Gemüsesuppe“ heißt. Ansonsten lassen Sie Ihre Fantasie spielen bei der Benennung Ihrer neuen, gesunden Gerichte.

TIPP 7:
Sorgen Sie für mehr Bewegung im Leben Ihrer Kinder. Bedenken Sie, dass Sie, wie oben bereits erwähnt, die Eltern sind und bestimmen, wo es lang geht, nicht die Kinder. Beschränken Sie deren Fernsehkonsum, Computerzeit oder sonstige „Sitzzeit“ auf ein gesundes Maß. Wenn Sie es sich finanziell leisten können, lassen Sie Ihr Kind eine Sportart aussuchen, die ihm Spaß macht und melden Sie es in einem entsprechen Verein an. Ansonsten machen Sie den Sport zu Hause. Eine Stunde tanzen nach der Lieblingsmusik der Kinder (auch wenn die uns Erwachsenen manchmal gehörig auf die Nerven geht), ist etwas, zu dem sich besonders die Mädchen meistens begeistern lassen. Jogging auf der Stelle, Schattenboxen im Wohnzimmer, Dehn- und Streckübungen etc. sind alles Dinge, für die man keinen Verein braucht und die täglich durchführbar sind. Machen Sie am Wochenende mit den Kindern Spaziergänge und durch die Woche kollektives Muskeltraining mit gefüllten Wasserflaschen und Konservendosen als Gewichten. Wenn Sie einen Garten haben, spielen Sie dort Ball oder Federball oder was sich sonst anbietet. Aber bestehen Sie darauf, dass Ihr Kind sich bewegt! Am besten gehen Sie auch hier mit bestem Beispiel voran, denn das tut Ihnen genauso gut wie Ihren Kindern.

Natürlich müssen Sie auch hierbei langsam anfangen und mit zehn Minuten täglich(!) beginnen, die Sie über mindestens 7 Monate zu einer Stunde täglich steigern. Ganz wichtig dabei ist, dass Sie Ihr Kind nicht allein wurschteln lassen, sondern mitmachen. So wird zum einen der Familienzusammenhalt gestärkt, zum anderen empfinden es die Kinder nicht als ungerecht, dass sie sporteln müssen, während die Erwachsenen sich ausruhen. Und zum dritten tut es den Eltern ebenfalls gut, ganz besonders, wenn die selbst übergewichtig sind. Schreiben Sie die täglichen Sportzeiten fest in den Schulstundenplan Ihrer Kinder hinein und halten Sie die ein bzw. sorgen Sie dafür, dass die Kinder sie einhalten. Sie können auch mit anderen betroffen Eltern und Kindern Sportgruppen bilden, dann macht es meistens noch mehr Spaß. Wichtig ist, dass Sie konsequent bleiben und Ihren Kindern nicht durchgehen lassen, wieder in der Bewegungslosigkeit zu versinken.

TIPP 8:
Belohnung ist wichtig und ein guter Anreiz. Stellen Sie einen Plan auf mit festgelegten Belohnungen. Zum Beispiel das „Fitnesssparschwein“. Zahlen Sie Ihrem Kind für jeden durchgeführten Sporttermin 50 Cent oder 1 Euro (je nach Ihrer finanziellen Lage) ins Sparschwein. Für jedes abgespeckte Kilo erhält es 2 – 5 Euro, die allerdings bei erneuter Gewichtszunahme wieder eingezogen werden! Vereinbaren Sie eine besondere Belohnung (Ausflug, ein neues T-Shirt, ein Besuch im Zoo oder was dem Kind besonderen Spaß macht – AUSSER ESSEN!), wenn es die ersten 5 Kilo abgenommen hat, die nächsten 5 Kilo und so weiter. Solche Belohnungssysteme sind in der Regel ein guter Anreiz, am Ball zu bleiben.

TIPP 9:
Ermutigen Sie Ihr Kind! Kinderseelen sind unglaublich empfindlich. Lassen Sie Sprüche wie „Hat doch eh keinen Sinn!“, „Ich schaffe das nicht!“, „Ist doch viel zu anstrengend!“ und so weiter nicht durchgehen, sondern halten Sie dem immer entgegen: „Du schaffst das! Du darfst nur nicht aufgeben! Ich unterstütze dich und helfe dir, und gemeinsam kriegen wir das hin!“ Loben Sie Ihr Kind für jeden noch so kleinen Fortschritt, den es macht. Das ist Balsam für die Kinderseele und notwendige Ermutigung, um durchzuhalten. Am besten gehen Sie selbst auch hier mit gutem Beispiel voran, das ist glaubhafter als alle Worte!


Zu guter Letzt noch ein paar Worte über die Auswirkungen, die Übergewicht bei Kindern hat. Da sie sich noch in der Wachstumsphase befinden, sind Knochendeformierungen vorprogrammiert. Dazu kommen wie bei Erwachsenen auch die folgenden Krankheiten und Beeinträchtigungen: Atemwegs- und Lungenerkrankungen, angefangen bei „harmloser” Kurzatmigkeit bis hin zu Bronchialasthma, Bluthochdruck, Diabetes, Erkrankungen der Gallenblase bis hin zu Gallensteinen, Gelenk-, Knorpel-, Sehnen- und Knochenbeschwerden, besonders an Knien, Hüften, Füßen und der Wirbelsäule, Herz-Kreislauf-Erkrankungen bis hin zum Herzinfarkt und Schlaganfall (auch schon in jungen Jahren!), rheumatische Erkrankungen, schwere Depressionen bis hin zum Selbstmord, Stoffwechselstörungen wie Gicht, zu hohe Cholesterinwerte, verstärkte Anfälligkeit für Infektionskrankheiten, verstärkte Anfälligkeit für Krebserkrankungen und Verkürzung der Lebenserwartung um 5 – 10 Jahre (abhängig von der Höhe und Dauer des Übergewichts). Nicht zu vergessen das Leid, das die Kinder durch die entsprechenden Hänseleien in der Schule auszuhalten haben und die schon manches Kind in den Selbstmord getrieben haben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendein Elternteil seinem Kind das zumuten will.

Liebe Eltern, es ist nicht leicht, übergewichtige Kinder (und uns selbst natürlich auch) wieder auf ein gesundes Normalgewicht zu reduzieren. Doch gehen Sie diese schwierige Arbeit an. Sie sind es Ihren Kindern schuldig.

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